Eltern und Oma mit viel Verständnis
Die "Watchmen" waren eine weitere Gruppe aus der Talent-Schmiede Jungen-Gymnasium.
Am Anfang stand auch bei ihnen die Skiffle-Musik: Nachdem Helmut Dango Ende 1962
eine Gitarre geschenkt bekommen hatte, gründete er mit Armin Buderus, der ebenfalls
auf dem Giersberg wohnte, eine Band.
Die Mitspieler wechselten zunächst häufig, bis die beiden 1963 auf Jost Ebener stießen: "Der ging zwar in Weidenau aufs Gymnasium, spielte aber trotzdem gut Gitarre," wie sich
Buderus erinnert. Er selbst war mittlerweile auf Sologitarre, Dango auf Schlagzeug
umgestiegen, dazu Rhythmusgitarrist Ebener - die Ur-"Watchmen" waren geboren.
Wo der Name herkommt: Die Gründungsmitglieder erinnern sich nicht mehr daran. Doch
als 1964 mit Hans-Georg Tafel der noch fehlende Bass-Mann dazu gestoßen war, wurde
geprobt, was das Zeug hielt - mit Verstärkern und Lautsprecherboxen, die Armin Buderus
und Helmut Dango zunächst selbst bauten. Bald aber kamen bessere Verstärker und
damit aber auch Probleme: Helmuts "Kinderzimmer", fand seine Mutter, sei als Übungsraum nicht mehr geeignet. Die Einstellung der Eltern Tafel und Ebener zur "Neger-Musik", die ihre Söhne spielten, war so eindeutig, dass an ein Ausweichen
dorthin gar nicht zu denken war. Anders bei den Eltern von Armin Buderus: Sie erwiesen
sich, ebenso wie die 81-jährige Oma, als verständnisvolle und tolerante Förderer. Es
wurde ein Kellerraum frei gemacht, und dort wurde geprobt, was das Zeug hielt.
Für einen Auftritt der wiedervereinigten Band - Ausnahme: Jost Ebener - im Anschluss
an eine Plattenbörse in der Siegerlandhalle im Oktober 1985 hat Armin Buderus all
diese Fakten schriftlich festgehalten und auch an die Höhepunkte unter den vielen öffentlichen Auftritten erinnert: Bei einem Beatwettbewerb 1964 belegten die "Vier
vom Giersberg" den 6. Platz, es folgte im Jahr darauf der Auftritt beim Schulfest,
1966 gab es bei einem Wettbewerb in der Siegerlandhalle den 4. Platz unter mehr
als 20 Gruppen, ein Zwei-Tage-Engagement in der Daadener "Barbara-Bar" und
viele "Tanz für die Jugend"-Veranstaltungen im kleinen und im großen Saal der
Siegerlandhalle sowie in der Bismarckhalle - meist mit den Shotguns zusammen.
Repertoire melodiös und fetzig
Das Repertoire der "Watchmen" wurde vor allem von den Beatles, den Searchers,
den Yardbirds und den Kinks geprägt - und von den Who, die die vier Siegener bei
ihrem Auftritt 1967 in der Siegerlandhalle bewundern konnten. Armin Buderus: "Titel
wie ,Substitute´, ,The Kids Are Alright´, ,Pictures of Lily, ,Happy Jack´ und ,I´m a
boy´ waren besondere Leckerbissen." Überhaupt waren die Watchmen eher für
musikalisch, vor allem gesanglich anspruchsvolle Titel wie "Summer in the city", "Baby´s in black" oder "Nowhere man" bekannt. Sie hatten aber auch ausgesprochene
Fetzer im Programm wie "Money", "Bye, bye Johnny" oder "Painter Man".
Nach dem Abitur - Buderus, Dango und Tafel gingen in die gleiche Klasse am
Löhrtor- (damals: Jungen-) Gymnasium - trennten sich die musikalischen Wege.
Buderus spielte während des Studiums in Darmstadt noch mit der Soulband "Funky 7". Die Freundschaft blieb, und 1980 trommelte Helmut Dango die Truppe
noch einmal zusammen. In seinem Studio in München nahmen die Watchmen
ihre erste Single ("Cadillac"/"The Kids are alright") auf, der im Januar 1981 Nummer 2
("Substitute" und "Painter Man") folgte.
Im Oktober 1985 mit den Lords
Und dann kam der Auftritt im Oktober 1985: Jost Ebener fehlte bei dieser
Veranstaltung, auf der anschließend noch "The Lords" spielten. Dafür wirkten
zwei Gastmusiker mit: Redie Rothenpieler und Lex Müller, zwei frühere Shotguns,
die wir in den beiden vergangenen Folgen vorgestellt haben.
"Stabilität unserer Häuser hat gelitten"
Der Beatkeller an der Gustav-von-Mevissen-Strasse diente als Kommunikationszentrum für eine Clique von 60 bis 70 Jugendlichen, die allesamt zum Kreis der "Watchmen"- Fans zählten.
Allerdings stiessen diese Aktivitäten nicht überall auf Zustimmung, wie Briefe eines
Nachbarn 1967 und seine Drohung mit dem Ordnungsamt zeigen: "Trotz meiner
Bitte und Ihrer Zusage, die musikalischen Übungen einzustellen, sind diese am
Freitag Nachmittag wieder in voller Lautstärke aufgenommen worden. Können Sie
sich nicht vorstellen, dass diese stundenlange Lärmbelästigung für 70jährige
Menschen einfach unerträglich ist? Sie können uns doch auch nicht zumuten, um
der stundenlangen nervlichen Belastung zu entgehen, diese Zeit außer Haus zu
verbringen. Ebenso dürfte Ihnen doch bekannt sein, dass die Stabilität unserer
Häuser infolge Kriegseinwirkung sehr gelitten hat, sodass alle Geräusche im ganzen
Haus zu hören sind."
1982 wurde dann noch einmal richtig im Beatkeller gefeiert: "Watchmen - 18 Jahre
on stage" hieß es im vom Gerümpel freigeschaufelten, rund zehn Quadratmeter
großen Raum, in dem sich aus diesem Anlass 40 geladene Gäste drängelten.
Armin Buderus ist heute Marketing- und Vertiebschef einer Hamburger Pharma-Firma,
lebt aber mit seiner Familie in Nürnberg. Helmut Dango hat in München ein eigenes
Studio und beschäftigt sich viel mit Kompositionen, Jost Ebener ist als Jurist bei der
Stadt Bremen tätig und Hans-Georg Tafel ist praktischer Arzt bei Oldenburg. |