"Mit den Stones nichts am Hut"
Auf der Suche nach einem Bandnamen mussten Wilfried
Büdenbender (Gitarre), Rudolf Diehl (Gesang, Leadgitarre),
Bernd Enders (E-Bass, Orgel und Klavier) und Heinz Ihne
(Schlagzeug) nur einen Blick aus dem Fenster werfen.
Rudolf Diehl: "Wir waren alle vier Jungs vahm Schneppekutte.' "Als nannte sich das Quartett kurz und
knapp "The Snepcuts".
"Eigentlich waren wir im kirchlichen Raum zuhause - als
fleißige Sänger im Kinderchor des MGV Cäcilia", blickt Diehl
zurück. Anfang der 60er Jahre für den singenden Nachwuchs
schon zu alt, aber noch nicht erwachsen genug für den
Männerchor, griffen die vier zu Gitarre und Schlagzeug. Geübt
wurde in der Schreinerei von Heinz Ihnes Vater, das erste
Schlagzeug wurde aus leeren Leitöpfen zusammengestellt: "Man hielt uns damals für absolut verrückt." Wovon sich die
Snepcuts allerdings nicht irritieren ließen: "Als 15-Jähriger
habe ich zum ersten Mal über die Gründung einer Band
nachgedacht." Zu einem Übungswochenende wurde die
Wanderklampfe eingepackt, mit Stahlseiten versehen und mit
Pickups über ein Radio gespielt. Später wechselte Diehl von
einer Höfner über Framus zu einem Instrument von
Hackström.
Titel wurden vom Tonband abgehört
Sehr wichtig für die Gruppe war der Vaters von Bernd Enders:
Ursprünglich Steiger auf der Grube Neue Haardt, wagte Leo
Enders später den Schritt auf den zweiten Bildungsweg: "Er
war sehr wichtig für uns, denn er machte selbst auch Musik."
Und er transportierte die Snepcuts in einem Loyd zu ihren
Konzerten.
Den ersten Auftritt hatten die Musiker vom Schneppenkauten
bei einer Hochzeit ("der Gesangverein war mächtig stolz auf
uns"), wollten sich aber von Anfang an nicht auf Tanzmusik
festlegen: "Völlig ohne Noten" wurden Stücke von den
Shadows und den Spotnicks gespielt, abgehört vom Tonband
eines Freundes. Diehl, der seit vielen Jahren als Musiklehrer
an der Grundschule Birlenbach tätig ist: "Wir haben auf jeden
Fall so fleißig geübt, das wir Ende 1963, Anfang 1964 richtig
starten konnten." Dabei waren die Snepcuts "immer
Verfechter der Beatles, mit den Stones hatten wir nichts am
Hut."
Auftritte gab es jede Menge: Bei Tanzveranstaltungen des
Jugendpflegers Egon Jolig in der Bismarckhalle. Oft war die
Gruppe im "Haus Heimat" in Rudersdorf engagiert.
Haupt-Konkurrenten waren die Oranien Street Sounders, die
Watchmen, die Mushrooms: "Wir haben uns gegenseitig so
manchen Kniff abgeschaut."
Als Wilfried Büdenbender die Snepcuts verließ, stieg Bernd
Enders´ Bruder Jürgen in die Band ein. Er besaß neben dem
musikalischen Rüstzeug auch hervorragende technische
Fähigkeiten, von denen Rudolf Diehl heute noch schwärmt: "Er baute aus einem alten Waschmaschinenmotor eine
Leslie (= drehender Lautsprecher) für seine Hammondorgel."
Ursprünglich konstruierten die Snepcuts auch ihre Verstärker
selbst, "bis wir unsere erste Echolette hatten".
"Einen Walzer und ein Marsch"
Dr. Bernd Enders, heute Professor für Musik an der
Universität Osnabrück: "Neben unserem Beat-Repertoire
hatten wir noch ein zweites Programm für Hochzeiten und ähnliche Feste, um das Geld für die Anlagen zu beschaffen.
Dazu reichten die Honorare als Beatgruppe anfangs nicht
aus." Auch bei Auftritten auf Jugendtanzveranstaltungen ging
es nicht nur "beatmäßig" zu. Heinz Ihne kündigte einen
Auftritt in der Bismarckhalle im Gespräch mit der WR
seinerzeit mit einem Versprechen an: "Wir werden aber auch
mindestens einen Walzer und einen Marsch spielen."
Zu diesem Zeitpunkt war Ihne - wie Bernd Enders - bereits bei
der Bundeswehr, Rudolf Diehl stand ebenfalls kurz vor der
Einberufung: "1968 sind wir dann im Frieden
auseinandergegangen."
"Fast nahtlos" schlossen er und Ihne - heute Chef der Firma
Awas in Rudersdorf (Abwasser Anlagen Systeme) - sich dem "Sing Team" an, einer Formation, der auch der heutige
Kreischorleiter Gerhard Schneider und Werner Hoffmann
(später: "Gospeltrain") angehörten. Diehl hat außerdem
klassische Gitarre gespielt und singt seit vielen Jahren im
Kammerchor Weidenau. Er wolle die 60er Jahre nicht
glorifizieren, meinte er zur WR: "Aber die Jugendlichen hatten
damals mehr ein ,Wir-Gefühl´, waren begeisterungsfähiger,
haben selbst etwas auf die Beine gestellt."
Das galt nach dem Ende der "Snepcuts" auch für die
Enders-Brüder: Sie gründeten gemeinsam mit Micky Pega
sowie den Ex-Selection-Mitgliedern Reinhard Kitz und Dieter
Löhr die Gruppe "Eternal Light" |