Am Bitterböses aus dem Untergrund
"QUF - das hieß gar nichts. Nur einfach die Buchstaben
Q, U und F," blickt Herbert Schäfer zurück. Er war der
Sänger einer Band, die es darauf anlegte, das Publikum
zu provozieren: "Unsere Auftritte waren zum Teil
bitterböse, wir gingen Richtung Underground." 
Bei der Gründung der QUF Ende 1967 war Schäfer noch nicht
dabei - er spielte zu diesem Zeitpunkt noch Schlagzeug bei
den "Glad Rags", wo er für Kurt Thomasberger eingesprungen
war. "Unser Sänger war zunächst Günter Theis, der nach der
Auflösung von ,Buddy and The Ravens´ übrig geblieben war,"
erinnert sich Peter Leipold. Er spielte Sologitarre bei den
QUF, außerdem dabei waren Karl-Heinz Johannes
(Rhythmusgitarre), Rainer Thomasberger (Bass) und Kurt
Redinger (Schlagzeug).
Er sei eher durch Zufall in die Gründung der Band geraten, so
Leipold: "Es war bei einem Tanz für die Jugend in der
Siegerlandhalle. Die anderen waren sich schon weitgehend
einig und fragten, ob ich nicht mitmachen wollte."
Nach etwa einem Jahr ging "Buddy" Theis nach Berlin, und
Herbert Schäfer übernahm das Mikrofon. Er war es, der auf
die Idee kam, den Namen der Gruppe "auch optisch groß
rauszubringen". Peter Leipold: "Wir haben uns einige Eimer
Farbe besorgt, und nachts Karl-Heinz Johannes am ,Monte
Schlacko´ in Weidenau abgeseilt. Er hat dann groß und
unübersehbar die Buchstaben Q, U und F auf die Halde
gemalt." Natürlich passte das Repertoir e zu der Band wie die
Faust aufs Auge: "Es bestand etwa zur Hälfte aus Stücken
von Frank Zappa," weiß Herbert Schäfer heute noch, "ein
weiteres Viertel waren Stones-Songs." Fast zuhause waren
die QUF im Moulin Rouge und im Party-Club, der damals
schon Top Ten hieß: "Da spielten wir oft - ohne Gage."
Engagements gab es in "Ami-Clubs" auf dem Westerwald,
zum Beispiel in Gladenbach, weil das Quintett auch in der
Soulmusik zu Hause war.
Am 30. November 1968 nahm die Gruppe an einem
Beatfestival des FJM-Gymnasiums in der Bismarckhalle teil -
und nahm als Sieger eine von der Firma Framus gestiftete
Gitarre mit nach Hause. Auf den Plätzen landeten damals
The Smash, die Moonshots, die Sullivans und LSD 66. Ein
Redakteur der Schülerzeitung "strebergarten" übte damals
Kritik an der gesamten Veranstaltung - auch daran, dass
nicht das Publikum, sondern eine Jury über den Ausgang des
Wettstreits entschied. Den QUF attestierte er, sie hätten "sehr sicher und profiähnlich" aufgespielt: "Ich konnte mich
jedoch nicht des Eindrucks erwehren, dass sie es darauf
abgesehen hatten, Jury und Publikum zu verhöhnen" - was
wohl stimmte.
Schlagzeuger starb bei Verkehrsunfall
1970 waren die QUF schon Geschichte. Kurt Redinger kam
im Herbst 1969 im Alter von 20 Jahren bei einem
Verkehrsunfall ums Leben, bei seiner Beerdigung traten The
Smash auf. Rainer Thomasberger, so Leipold, musste zum
Bund, Karl-Heinz Johannes zog nach Norddeutschland.
Herbert Schäfer, der mit dem Maler Walter Helsper
befreundet war, ging nach Köln, um Malerei und Bühnenbild
zu studieren. In Siegen hatte er vor Jahren eine Aufsehen
erregende Ausstellung in der Villa Waldrich: "Rost - ein
deutsches Material". Heute arbeitet er als Film- und
Fernseharchitekt, entwirft Bühnenausstattungen zum Beispiel
für DJ Bobo-Tourneen oder Bravo-Shows. Rainer
Thomasberger ist selbstständiger Schauwerbegestalter in
Freudenberg, während Peter Leipold als Elektroinstallateur
arbeitet. Er hat nach dem Ende der QUF übrigens in einer
Olper Band weiter Musik gemacht , "nach vier, fünf Jahren"
wechselte er zu den Magic Boons, als dort Peter Kolke
ausgestiegen war. Gitarre spielt er heute noch privat - über
einen AC 30-Verstärker von Vox, den er einst einem Mitglied
der Band von Pete Bender abgekauft und den Kurt
Thomasberger, Fachmann aus Geisweid, erst vor kurzem in
Ordnung gebracht hat.
Karl-Heinz Johannes erinnert sich.
Seine Zeilen zu dem Festival:
Von den 10 Bands kam unser Auftritt ziemlich zum Schluss. Die Bands vor uns machten so die übliche Schleimermusik, mit viel Echo im Gesang, z.T. einheitliches Outfit und einstudierte Bewegungen im Rhythmus der Musik. Das war nicht unser Stil. Und nachdem wir nun wussten, dass nicht das Publikum, sondern eine Jury aus Lehrern und irgendwelchen Hanseln abstimmten, war für uns die totale Pleite klar. So haben wir uns gedacht: wenn schon ... dann aber richtig.
Irgendwoher hatte man für mich den Kimono aufgetrieben und Herbert zog sich Ullas viel zu kleine Felljacke über seinen nackten Oberkörper. Das erste Stück habe ich gesungen, dann kam Herbert auf die Bühne. halbnackt ... Skandal! Unserer Musik war auch eine völlig andere. Wie durch ein Wunder haben wir gewonnen. Es war uns schleierhaft. Die Framus wollte übrigens keiner von uns haben. Ich glaube, wir haben sie vertickt oder für was anderes in Zahlung gegeben. Wenn, dann sicherlich beim alten Horn. Wirklich ein Super-Typ. Was hat der lange geduldig auf das restliche Geld für meinen VOX gewartet. Heute wäre das nicht mehr denkbar.
Er erinnert sich auch an die Malaktion am Monte Schlacko.
Maunte Schlacko ist mir von damals eigentlich nicht geläufig. Bei uns hieß das Ding immer Futschijama. Und ich weiß, dass es damals in irgendeiner regionalen Zeitung ein Bild gab mit einem kleinen Artikel: "Siegerländer Hippis bemalen Futschijama".
Ach ja. Die Farbe für die Aktion wurde besorgt? So kann man es auch nennen. Herbert Schäfer hat die Fassadenfarbe zuhause geklaut. Sein Vater wollte nämlich das Haus neu streichen. Und ich musste die Buchstaben malen. Jeweils einen Ledergürtel um diew Oberschenkel, einen um den Bauch, verbunden mit einem langen, dünnen Drahtseil, dessen Ende vorsichtshalber an dem Gipfelkreuz befestigt wurde, falls man mich nicht mehr halten kann. Gut, dass es dunkel war. So konnte ich nicht genauerkennen, wie tief und steil es nach unten ging. Das Ding war sauglatt. Ich hätte sicherlich ein ordentliches Tempo auf dem Weg nach unten aufgenommen, und da der Fußbereich unten teilweise weggebrochen war, hätte ich die letzten 10 Meter wohl im freien Fall zurückgelegt. Mit ungewissem Ausgang. Nach getaner Arbeit waren wir auf jeden Fall stolz wie Oskar und gespannt, ob man das auch aus der Entgfernung lesen konnte. Man konnte!
Am nächsten Tag war das natürlich Das Gesprächsthema. Wat is dat denn? Was ich nicht mehr genau weiß: Haben wir nur QUF oder auch noch SOUL drauf geschrieben?
Und dann noch insgesamt:
Wir waren in dieser Zeit ja fast immer gemeinsam unterwegs. Kurti mit seinem alten VW Bus. Herbert hatte einen bunten Ford Transit, der mal ein Krankenwagen war. Poppig bemalt. Mit den alten Dingern sind wir am Wochenende bis nach Den Helder gefahren. Herbert und Ulla, ich und Tatjana im Ford, die anderen ohne Freundin bei Kurti im VW. Da ich noch keinen Führerschein hatte, konnte ich nicht fahren. Die Rückbank hatten wir ausgebaut, damit eine Matratze reinpasst. Dioe Fahrtzeit musste ich also mit meiner Freundin Tatjana auf der Matratze verbringen. Gut, dass die alten Krankenwagen damals bereits einen Vorhang zur Fahrerbank hatten. So hätten wir tagelang...reisen können.
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