Mit den Jacob Sisters in der Nordstern-Bar
Werner Flaths Visitenkarte weist ihn heute als Inhaber eines
der renommiertesten Modehäuser Siegens aus
- seit 1999 residiert er im alten Postgebäude an der
Hindenburgstraße. Visitenkarten hatte er schon als
Jugendlicher: "The Djorgos" stand auf der Aufklappseite, auf
der Innenseite links "4 Mann Tanz- und Showband mit 24
Besetzungsmöglichkeiten", und auf der rechten Seite: "Sekretariat: Werner Flath".
Am Anfang waren drei Freunde aus der Wenscht: Neben Flath
noch Hartmut Florin (Schlagzeug) und Roland Schneider. "Eines
Tages haben wir gesagt: Wir machen Musik - das muss so um
1960 herum gewesen sein," erinnert sich Flath, der 1944 geboren
wurde: "Dann haben wir geübt wie die Blöden - und schließlich
fiel die Entscheidung, eine Band zu gründen." Das Trio, zu dem
bald der Gitarrist Lutz Pfeiffer stieß, übte in einem Raum, den der
Geisweider Pfarrer Schmidt zur Verfügung stellte. Zunächst
gehörten Stücke von Cliff Richard und den Shadows, aber
auch deutsche Schlager zum Repertoire. Später, mit dem
Aufkommen der Beatwelle, spielten die "Djorgos" natürlich
auch Beatles- und Stones-Lieder - "halt alle laufenden Hits".
"Die Hütte war immer rappelvoll"
Dabei waren die vier überaus flexibel - zum Instrumentarium
gehörten neben der üblichen Beat-Besetzung (zwei Gitarren,
Bass und Schlagzeug) auch Flügel, Piano und "Elektronenorgel" - sogar das gute alte Schifferklavier kam zum Einsatz.
Schon ab 1962 hatten die "Djorgos" ihr erstes festes
Engagement: "Drei Jahre lang waren wir praktisch die Hauskapelle in der Nordstern-Bar im hessischen
Flammersbach - samstags, sonntags und mittwochs haben
wir dort gespielt - und immer war die Hütte rappelvoll." Dabei
agierten sie hin und wieder auch als Begleitgruppe für
Schlagerstars wie die "Jacob Sisters" und solche, die es
erst noch werden wollten. Die vier Siegerländer hatten
dadurch schnell einen guten Namen über die nähere
Umgebung hinaus - "wir sind danach praktisch in ganz
Hessen, aber auch in der Siegerlandhalle oder im Sauerland
aufgetreten."
"Geisterreiter" im Liegen gespielt
Ihr allererstes Konzert gaben die "Djorgos" allerdings in der
Bismarckhalle. Flath: "Das erste Lied war ,Ghostriders in the
sky´ von den Shadows - und dafür hatten wir uns extra weiße
Kutten anfertigen lassen. Im Dunkeln, nur von einem lila
Strahler beleuchtet, wollten wir nach und nach die Bühne
betreten." Es klappte nicht ganz: Werner Flath, der als
Sologitarrist der erste war, stolperte über einen Gegenstand
auf der Bühne, spielte aber geistesgegenwärtig die berühmte "Geisterreiter"-Einleitung im Liegen weiter - das Publikum war
begeistert.
Zur Geschichte der Djorgos gehört auch eine
sechsmonatige Tournee durch Skandinavien. Die Kontakte
kamen über einen Onkel Roland Schneiders, dessen Mutter
aus Norwegen stammte, zustande: "Er hat uns eine
Arbeitserlaubnis besorgt, und so haben wir praktisch von
Dänemark bis zum Nordkap gespielt - in großen Hallen, aber
auch in Hotels." Wenig später aber kam das abrupte Ende:
Um der Bundeswehr zu entgehen, wollten die "Djorgos" der
Form halber nach Berlin ziehen - aber das passte der Mutter
eines Mitspielers nicht: Sie schwärzte die Musiker beim
Wehrersatzamt an, innerhalb kürzester Zeit hagelte es
Einberufungsbescheide. Werner Flath hat damals seine
Fender Stratocaster - "es war wohl die erste im Siegerland,
eine absolute Sensation" - verkauft: "Wir brauchten Geld,
schließlich fuhren wir allesamt teure Autos damals." 1967
wurde die Band "The Djorgos" also aufgelöst, Werner Flath
hat danach nie wieder Musik gemacht.
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